Angegriffen – Schock bei der Arbeit

STORYTIME. Vor einigen Tagen wurde ich auf der Arbeit von einem Kunden angegriffen.

Ich arbeite in einem Kiosk/Backshop am Essener Hauptbahnhof. Tagtäglich bin ich mit vielen Menschen konfrontiert. Bei vielen ist offensichtlich einiges aus den Fugen geraten und man sieht wie sie sich von Alkohol und anderen Drogen gekennzeichnet durch den Tag schlagen.

In der Regel sind diese Menschen zwar ungepflegt und mit Sicherheit gehört Freundlichkeit auch nicht zu den ersten Eigenschaften die einem einfallen, aber bisher wurde ich nie körperlich angegriffen,

BISHER…

Wahrscheinlich muss man damit rechnen, dass die Möglichkeit besteht, dass man angegriffen wird, wenn man an so einem Arbeitsplatz beschäftigt ist. Ich hatte diese Situation jedenfalls schon in Betracht gezogen. als ich mich vor einigen Monaten um eine Stelle als Teilzeitkraft in diesem Laden beworben habe.

Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Konfrontation umgegangen wäre, wenn ich völlig unvorbereitet gewesen wäre. Trotzdem hatte ich ordentlich Schiss, hab mich überfordert und hilflos gefühlt.

Angegriffen – Was passiert ist!

Wie schon erwähnt wurde ich während meiner Arbeitszeit von einem Kunden der stark beeinträchtigt von Alkohol durch den Laden schwankte angegriffen.
Gegen 15.50 Uhr betrat der Kunde den Laden und ging zielstrebig zum Zeitschriftenregal, wo er sich eine Zeitschrift einsteckte. Mehrmals habe ich ihn gebeten die Ware erst zu bezahlen. Nachdem er einmal ins Regal geschwankt ist und dabei fast die Waren abgeräumt hat, habe ich ihn des Ladens verwiesen. Er weigerte sich jedoch standhaft und wurde zunehmend aggressiver.Nun mischte sich auch ein anwesender Stammkunde ein und bat den Mann, den Laden zu verlassen. Der Betrunkene richtete seine Aufmerksamkeit nun gegen den anderen Kunden, der mir zur Hilfe kommen wollte. (Hinweis, der Mann ist Mitte sechzig und schwer krank – also auch ein mehr als feiges Opfer.)

Ich war mit der Situation völlig überfordert und wählte das erste Mal die 110 um Hilfe anzufordern. In der Zwischenzeit wurde die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern körperlich. Einige andere Kunden hatten den Laden inzwischen verlassen. Zwei Jugendliche standen mit verängstigten Blicken abseits der Kassentheke und schaute immer wieder von mir zu den beiden Männern.

Um die Situation ein bisschen zu beruhigen, holte ich den Stammgast zu mir hinter die Ladentheke. Leider besaß der inzwischen sehr unerwünschte Gast die Frechheit uns zu folgen. In voller Größe baute er sich vor mir auf und versuchte an mir vorbei weiterhin an den anderen Kunden zu kommen. Mit alle Anstrengung versuchte ich nicht vor Angst einzuknicken und meine Position zwischen den beiden Herren selbstbewusst zu halten. Da die Polizei auch nach 10 Minuten noch nicht eingetroffen war, griff ich ein weiteres Mal zum Telefon. Der Kollege von der Leitstelle, sagte mir, dass Hilfe unterwegs sei, ob ich nochmal meinen genauen Standort nennen könnte, da die Polizisten den Laden nicht finden würden… Wirklich ein super Gefühl, da völlig hilflos zu stehen, wenn man weiß, dass der Polizeiwagen am Hauptbahnhof, keine 500 Meter entfernt steht.

Da ich meine Position hinter der Theke und den Laden nicht verlassen wollte, bat ich zwei hereinkommende junge Männer, die Polizei aufmerksam zu machen, die ich auf der anderen Straßenseite laufen sah. Während der eine Kunde nun die Polizei lotste, versuchte der andere den Betrunkenen mit irgendwelchen Behauptungen „Hey, dein Kumpel sucht nach dir!“ aus dem Laden zu locken. Nach einigen Diskussionen schaffte er es, den Mann nach draußen zu holen und ich verrammelte hinter ihm die Tür.

Ich verließ den Laden erst, als sich der Hilfstrupp in unmittelbarer Nähe befand. Sie fingen den aufsässigen Mann ein und bugsierten ihn bewacht von zwei Beamten in den Laden. Unser Stammgast und ich machten eine Aussage, während der Betrunkene sich seinem Rausch hingab und einschlief.

Nachdem unsere Aussagen zu dem Vorfall und unsere Daten aufgenommen worden waren, widmeten sich die Beamten nochmal dem unerwünschten Gast. Der wurde unsanft geweckt und zum pusten aufgefordert, was er aber in seinem Zustand gar nicht schaffte. Der Moment in dem der Mann nochmal völlig eskalierte und nun in den anwesenden Polizisten endlich einen Partner für eine Prügelei gefunden hatte. Er versuchte zu beißen, zu schlagen und zu treten. Wurde von zwei der Beamten zu Boden gebracht und in Handschellen abgeführt.

Damit war dann das Erlebnis erstmal überstanden. Der in der Zwischenzeit benachrichtigte Filialleiter, wurde nochmal auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht und dann war ich auch mit den Nerven so am Ende, dass ich Feierabend machte. Den Schock merkt man ja immer erst, wenn das Adrenalin weg ist.

Mit zitternden Knien machte ich mich dann gegen 18.30 Uhr auf dem Heimweg. Zum Glück sind wir noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Das hätte mit Sicherheit auch ganz anders ausgehen können. Ich hoffe das ich so eine Situation nie wieder erleben muss und das dieser Gast den Weg zurück in unseren Laden nicht findet.

 

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