Dreißig – eine Zahl mit Erwartungen

Geburtstag

Nächstes Jahr im Februar ist es so weit. Ich werde dreißig Jahre alt. Was verändert sich mit dieser Zahl? Welche Erwartungen habe ich? Welche Erwartungen hat die Gesellschaft?

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Wie ich versuche gelassen und ohne Erwartungen in das nächste Lebensjahr zu starten und welche Gedanken mich beschäftigen, könnt ihr hier lesen…

Dreißig Jahre. An manchen Tagen fühle ich mich wie 16 und möchte mich am liebsten in Schwierigen Situationen noch zu Mama und Papa flüchten. Glücklicherweise sind meine Eltern noch gesund und munter und ich kann seitdem ich wieder im Ruhrpott lebe, wieder mehr Zeit mit ihnen teilen. Vor dreißig Jahren haben sich meine Eltern dazu entschieden eine Familie zu gründen und ich durfte als erstes von drei Kindern, diese wundervollen Menschen in meinen Herz schließen.

Meine Familie hat mir alle Freiheiten gelassen meine eigenen Entscheidungen zu treffen und auch wenn sie diese nicht immer nachvollziehen konnten, konnte ich mir ihres Rückhalts sicher sein.

Dreißig – Meine Erwartungen Vs. Gesellschaftsdruck

Dreißig Jahre -laut Statistik hab ich damit wahrscheinlich das erste Drittel meiner Lebenserwartung durchlaufen. Dreißig das schien immer so unglaublich weit weg zu sein und nun ist es fast so weit. Wenn ich zurück schaue, dann sehe ich überwiegend die schönen Zeiten. Sicher das lehrreichste Kapitel in meinem Leben. Sicher habe ich mich nicht immer für die einfachsten Wege entschieden und habe auch den ein oder anderen Umweg zum Ziel genommen. Dennoch blicke ich sehr dankbar zurück und kann mit Glück und Zufriedenheit behaupten, dass es nichts gibt was ich bereue. Jeder Fehler der mich zu Fall gebracht hat, hat mich mit einer Erfahrung beschenkt, die ich sonst nicht hätte mitnehmen können.

Das erste Lebensdrittel – die Zeit in der man am meisten lernt. In der es erlaubt ist Fehler zu machen. Hinzufallen und wieder aufzustehen. Seine Grenzen auszutesten, gegen die Eltern und die Gesellschaft zu rebellieren. Die Wochenenden durchzufeiern, statt für die nächste Klausur zu pauken. Die Richtung zu wechseln, wenn der eingeschlagene Weg einem doch nicht mehr gefällt.

Mit dieser gewichtigen Zahl dreißig scheint diese kindliche unbeschwerte Phase schlagartig zu Enden. Zwischen 30 und 60 musst du auf einmal wissen was du willst. Du solltest spätestens in den Dreißigern den Mann fürs Leben gefunden haben und eine Familie (oder zumindest den ersten Teil einer zukünftigen Patchwork Familie) gründen, falls du das in den Zwanzigern nicht schon geschafft hast. Schließlich wirst du nicht jünger und deine biologische Uhr tickt. Wenn du die Chance hattest zu studieren und man dir den Stempel aus Karrierefrau aufgedrückt hast, dann bist du quasi entschuldigt für die Phase des eigenen Familienlebens. Schließlich musst du auf der Erfolgsleiter möglichst weit nach oben klettern. Immer der nächsten Beförderung hinterher hecheln. Um Wertschätzung und Anerkennung kämpfen. Und du musst schließlich an die Rente denken! Rücklagen schaffen, für die Zeit des Lebens, die du dann vielleicht völlig ausgebrannt und mit einem kaputten Körper erreichst.

Wenn du mit 60 Jahren in Rente gehen kannst, dann hast du entweder eine fette Erbschaft an Land gezogen, reich geheiratet oder bist als skrupelloser Mitarbeiter bis in die Chefetage aufgestiegen und hast ordentlich was beiseite schaffen können. Die Menschen, die in Zukunft mit 60 Zuhause sind, haben wahrscheinlich wegen Burn Out oder anderen Krankheiten Frührente beantragen müssen.

Macht uns der letzte Lebensabschnitt nicht mindestens genauso viel Angst, wie die eigentlich goldenen Jahre unseres Lebens. Schaffen wir es ein würdiges Ende für uns Leben zu bereiten. Können wir die freie Zeit der Rente genießen, oder quälen wir uns mit Altersarmut und einem dahinsiechenden Körper von Tag zu Tag. Wer steht uns in dieser Zeit bei, wenn wir keine eigene Familie gegründet und die Eltern uns verlassen haben?

fragen

Wie jedes Jahr starte ich ohne jegliche Erwartungen in das neue Lebensjahr (das ist zumindest bisher mein Vorsatz). Ich glaube nicht, dass sich mit dem Geburtstag plötzlich irgend etwas verändert. Es wird niemand den Traumprinzen aus dem Hut zaubern und auch die beruflichen Erfolge sind in der Regel eher hart erarbeitet, als vom Himmel gefallen. Doch wie viele andere junge Menschen, denen dieser Geburtstag kurz bevor steht, spüre ich den Druck der von außen aus mir zu lasten scheint.

Schon lange vor dieser Hürde, habe ich von meinem Umfeld diese fragenden Blicke bemerkt. Frei nach dem Motto: „Sie wird bald 30. Will Sie keine Familie gründen? Sie hat jetzt zwei Berufsausbildungen, warum macht Sie nicht Karriere?“ Zwar sind heutzutage beide Lebenswege Kind & Karriere gesellschaftsfähig, aber irgendwie scheint das Auge der Gesellschaft doch immer noch über einem zu wachen und Rechenschaft einfordern zu wollen.

Wäre das Leben so gelaufen wie ich es mir gewünscht hätte, dann wäre ich schon seit Anfang/Mitte zwanzig verheiratet  und hätte mit dem dreißigsten Geburtstag meine Familienplanung abgeschlossen um mich auf meine berufliche Karriere zu konzentrieren. Aber so hat es nun mal nicht sein sollen.

Den einzigen Geburtstag den ich wirklich groß gefeiert habe, war mein 18 er. Seitdem habe ich mich dazu entschlossen einfach jeden Tag zu feiern und das Beste für mich herauszuholen. Warum nur einmal im Jahr feiern, wenn doch jeder Tag ein Geschenk sein kann? Ich versuchen so viel zeit wie möglich mit den Menschen die ich liebe zu verbringen. Ich möchte auch auf den nächsten Lebensabschnitt mit Dankbarkeit und ohne Reue zurückblicken.

Also versuche ich mich von dem gesellschaftlichen Druck zu befreien und nur noch meinen eigenen Wünschen und Erwartungen zu entsprechen. Ich nehme mir die Freiheit auch weiterhin zu lernen. Fehler zu machen und die Richtung zu wechseln, wenn ich in eine Sackgasse gelaufen bin.

Ich werde weiterhin in die coolen Clubs gehen, wenn mir danach ist. Die Konzerte meiner Lieblingsbands besuchen und Ü30 Partys und Männern in der Midlife Crisis so lange wie möglich aus dem Weg gehen. Vielleicht wird mich dann und wann ein emotionales Tief wieder zu Tinder treiben, doch nach dem ersten Date, hat man dann wieder für eine lange Zeit die Schnautze voll und kann sich wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren. Für das eigene Glück ist man immer selbst verantwortlich und das ist genau das, was ich anstreben möchte – Glücklich sein!


 

Habt ihr den Sprung zur 30 schon geschafft? Welche Erfahrungen habe ihr gemacht? Hat sich euer Leben verändert?

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