Die Hoffnung stirbt immer schmerzhaft

Um mit der Erinnerung und der Hoffnung anzuschließen musst du nochmal durch den ganzen Schmerz.

Vielleicht habt ihr auch Menschen in eurem Umfeld, von denen ihr wisst, dass sie euch nicht gut tun, aber ihr könnt euch trotzdem nicht von ihnen trennen. In meinem Leben gibt es diese Person seid 10 Jahren. Kennengelernt haben wir uns während der Physiotherapie Ausbildung in Dortmund. Als er plötzlich auftauchte, hatte ich eigentlich gerade ein Auge auf einen anderen jungen Mann geworfen. Ich weiß nicht mehr sicher, wann und wo genau die erste Begegnung war, aber wie schon Taylor Swift feststellen musste „I knew you where trouble when you walked in“.

Obwohl alles perfekt zu sein schien, war da von Anfang an diese innere Stimme, die einen warnt. Das Bauchgefühl, das einen vor schmerzhaften Enttäuschungen schützen will. Nach dem ersten Date, das eigentlich sehr schön, war wenn es auch sehr schleppend verlief, passierte eigentlich nichts mehr. Wir verbrachten zwar auf dem Schulgelände jede freie Minute damit zu reden, aber mehr passierte nie. Keine Berührungen. keine Zärtlichkeiten, keine verliebten Blicke, obwohl zumindest eine gewisse Form von Zuneigung da zu sein schien.

Ich hab mir in der Zeit immer eingeredet, dass es kein guter Zeitpunkt sei, eine Beziehung anzufangen, weil er gerade mitten im Staatsexamen steckte. Immer wieder habe ich mir Geduld eingeprügelt und mir die viel zu kurzen Momente der Zweisamkeit schön geredet. Die Mittagspausen in dem silbernen VW Golf.

Tage und Wochen vergingen in der Hoffnung auf ein zweites Date. Das Staatsexamen kam und ging vorüber und bevor ich mich versah befand ich mich selbst in der Prüfungsphase, während der Kontakt langsam abbrach.

Das war enttäuschend, aber es war okay. Irgendwas hatte schließlich von Anfang an nicht gestimmt, darauf hatte mein Bauchgefühl mich aufmerksam gemacht. Also hatte es keine große Hoffnung gegeben.

Ich zog von zu Hause aus, trat meine erste Arbeitsstelle an und machte einen Haken unter diese Beziehung (wenn man es überhaupt so bezeichnen mag). Man könnte meinen damit wäre die Geschichte zu Ende, aber das ist sie noch lange nicht.

In einem ziemlich regelmäßigen Rhythmus von 2 Jahren wird der Kontakt wieder aufgenommen. Irgendwie ist diese Verbindung einander standhaft. Keine Ahnung was es ist, dass ich nicht einfach damit abschließen kann. Wahrscheinlich sind es diese quälenden Fragen: Was wäre gewesen….  wenn es zweites Date gegeben hätte? Wären wir glücklich gewesen? Wären wir noch zusammen? Hätte sich mein Traum von einer Familie vielleicht schon erfüllt?

10 Jahre eine unfassbar lange Zeit für zwei Menschen, die aneinander hängen, aber kein zweites Date auf die Kette kriegen. Woran scheiterts wird sich nun jeder außenstehende fragen und das völlig zurecht. Ich kann es auch nicht wirklich erklären. Es gab unzählige Versuche und Anläufe. Immer wieder hat sich die Hoffnung in mir aufgebaut, wurden die alten Gefühle mit großer Leidenschaft und schönen Worten wiederbelebt. Doch kurz vor jedem Date, kann dann die Absage. Auto kaputt, Diebstahl, Krankheit, Krankenhaus, Arbeit…. etc. Was hab ich in den letzten Jahren nicht alles an ausreden hören müssen. Trotzdem habe ich mich immer wieder aufs Neue darauf eingelassen und darüber ärgere ich mich am meisten. Die vielen Stunden die ich gelitten habe. Die meine Familie mich heulend und mies gelaunt ertragen musste. 2015 – Die ruinierten Tage nach Weihnachten und über Silvester, die wir eigentlich zusammen verbringen wollten :-/ Dann kam der Beinbruch und damit verbunden Krankenhaus und Krankenschein. Wie gerne hätte ich diese Zeit damals genutzt. Aber ein Besuch von mir war nicht erwünscht. Ich sollte ihn in diesem Zustand nicht sehen. Was soll man von so einer Aussage halten? Will man die Menschen die man liebt nicht um sich haben, gerade dann wenn es einem nicht so gut geht? Oder gibt es Beziehungen die man nur in den guten Tagen des Lebens führt?

Ich war krank vor Sorge. Keine Nachrichten, Anrufe sowieso nicht. Null Kommunikation. Tote Leitung. Ich war kurz davor alle Krankenhäuser im Ruhrgebiet mit irgendeiner Ausrede abzutelefonieren um irgendwie den Kontakt wieder herzustellen und endlich antworten zu bekommen. Doch es herrschte erstmal wieder Funkstille.

Nach einigen Wochen nahm der Kontakt dann langsam wieder zu. Ich begrub meine Selbstachtung vollständig und baute erneut ein Luftschloss für die Zukunft. Dieses wurde dann spätestens zum Valentinstag 2016 mit brutaler Gewalt gekillt, als mir besagter Mensch eine tränenreiche Nachricht schickte, dass es ihm so schlecht ginge, weil seine Freundin mit der er seit 1,5 Jahren zusammen gewesen sein Schluss gemacht hätte. Er hätte sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, weil er zusammen gebrochen sei. Wow, man hat mir noch nie so hart ins Gesicht geschlagen. Ich war so entsetzt, dass ich im ersten Moment nicht wusste was ich dazu sagen soll. Was hatte ich mir denn in den letzten Monaten eingebildet? War nicht die Rede davon gewesen zusammen Silvester zu feiern? Warum war diese Freundin nie auch nur mit einem Wort erwähnt worden…

Spätestens an diesem Tag ist das letzte Fünkchen Hoffnung in mir schmerzhaft gestorben. Ich weiß  wie fasziniert ich damals von diesem Mann war. Groß, blond, fesselnde Augen und eine anziehende Ausstrahlung- Zielstrebig und fokussiert auf dem Weg zum Medizinstudium. Ich hab so viel Bewunderung und Achtung vor diesem Menschen gehabt. In den letzten Jahren ist davon nichts mehr übrig geblieben.

Das Vertrauen wurde durch die unzähligen Enttäuschungen und Lügen völlig zerstört. Es gibt keine Basis auf der man noch irgendetwas aufbauen könnte. Ich weiß dass wir uns nicht wieder sehen werden! Es kann definitiv nicht so weiter gehen. Ich habe mir meine Selbstachtung zurück geholt. Ich meistere mein Leben seit Jahren auch alleine sehr gut. Ich brauche niemanden an meiner Seite der mir mit Worten die schönsten Bilder malt und mich gleichzeitig mit seinem Verhalten erniedrigt und demütigt.

Dies ist also meine Art, endgültig damit abzuschließen.

Trotz allem was passiert ist wünsche ich dir alles Gute auf deinem Lebensweg. Mögest du glücklich sein.

One Reply to “Die Hoffnung stirbt immer schmerzhaft”

  1. Hallo Ariane,

    es gibt in unserem Leben wohl immer (mindestens) eine Person, auf die deine Beschreibung passt. Ich denke, dass diese schmerzlichen Erfahrungen einfach dazu gehören, auch wenn es wirklich sehr weh tut. Alles hat seinen Sinn und auch solche Dinge stärken uns in gewisser Weise.

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße – Tati

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